Zehnter Tag: Donnerstag, 6.4.95

noch Logbucheintrag vom 6.4., 10:40, im Auto

Nach dem Frühstück - wie immer bisher übrigens um halb neun - starteten wir nach Osten auf der A896 mit dem Ziel, die wunderschöne Paßstraße nach Applecross zu nehmen (Schild: "Caution! Road normally impassable in winter. Not suitable for caravans or learning drivers. Rises to a height of 2.200 feet with many hairpin curves..."), die sicherlich zu den landschafltlich reizvollsten Strecken in ganz Schottland gehört und auch für den Autoreisenden eine Herausforderung darstellt (wir haben sie schon vor zwei Jahren einmal befahren). Da es diesmal ein bißchen regnete und neblig war, haben wir erstmal darauf verzichtet und sind nach Torridon gefahren, und jetzt haben sich Claudia und Ela entschlossen, mal auszusteigen. Hm. Soviel also für heute...

Logbucheintrag vom 7.5., 9:50, im Auto

Soso - die beiden hatten wieder einen "Walk" aus der berüchtigten Broschüre geplant, diesmal allerdings nur einen kleinen (fünfeinhalb Meilen, zwei Stunden). Es nieselte zwar etwas, aber für echte Naturfreunde (hüstel) ist das ja kein Problem. Ich ließ mich also breitschlagen, und wir trabten los, obwohl schon in der Wegbeschreibung steht, der Pfad sei zuweilen etwas matschig.

Er führte uns von unserem Parkplatz (nicht offiziell, aber hier wird die A896 etwas breiter und bietet Platz für einen Wagen) zunächst am Loch Clair vorbei und dann um das Loch Coulin herum; etwas Matsch zwar, aber dafür diesmal keine Höhenunterschiede. Und Rhododendron gibt es da in Massen, leider nicht blühend zu dieser Jahreszeit, aber dennoch ganz hübsch. Im Sommer wird er zwar blühen, aber dafür werden diese riesigen Schnaken, auf die wir hier treffen, noch zahlreicher sein.

Die Strecke ist eine nette Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten, bei weitem nicht so anspruchsvoll wie unser erster Versuch. Aber Wett-Stein-Weitwurf ins Loch ist ja auch mal ne Abwechslung, insbesondere, weil ich es diesmal schaffte, annähernd so weit zu werfen wie Claudia, die mich von Zeit zu Zeit immer noch mit einer Schlappe von vor zwei Jahren aufzieht.

(Ein Freund, der das hier gelesen hat, sagte, es klinge extrem negativ, als wollte ich mich die ganze Zeit beschweren. Das stimmt aber gar nicht - ich fand die Wanderung wirklich ganz nett, und man muß ja auch nicht jeden Tag irgendwas außergewöhnliches erleben... bzw. man würde nicht nach Schottland fahren, wenn man den Anspruch hätte. Hier ist es ruhig, und es fragen einen nicht dauernd Leute, was denn die Datei "core" eigentlich ist. Urlaub, eben.)

Über Kinlochewe führt uns der Weg auf der A832 Richtung Nordosten, immer am Ufer des Loch Maree entlang. Im Sommer kann man am Hotel Loch Maree Boote mieten und zu einer der kleinen Insel in der Mitte des Lochs rudern; bei gutem Wetter kann man auch auf dem Parkplatz, der ein Stückchen hinter dem Hotel auf der linken Seite liegt, anhalten und in zehn Minuten zu den Victoria-Wasserfällen laufen (wir haben das aber schon vor zwei Jahren getan).

Bald darauf erreichen wir Gairloch; dort gibt es eine Anzahl günstigerer Übernachtungsmöglichkeiten, obwohl die Preise seit unserem letzten Aufenthalt auch hier gestiegen sind. Gairloch ist ein sehr netter Ort, sogar mit Sandstrand, falls mal tolles Wetter sein sollte. Obwohl es erst kurz vor 15:00 Uhr ist, suchen wir uns eine Unterkunft, um danach ohne Streß noch ein bißchen herumfahren zu können - es ist immer doof, wenn es Abend wird und man noch nicht weiß, wo man unterkommt. Wir finden für 12.00 ein kleines Häuschen mit Küche und Wohnzimmer für uns allein; das wird normalerweise wohl als Self-Catering-Unterkunft vermietet und nur außerhalb der Saison für B&B genutzt.

Update vom Oktober 2000: Gairloch ist immer noch ein recht touristischer Ort, genug B&Bs (niedrigster ausgeschilderter Preis: 12,50 Pfund), zwei Hotels, einige Restaurants und Teestuben (nett das in der Ortsmitte an einem Parkplatz gelegene "Mountain Cafe" oder so, die Betreiber haben auch einen Öko-/Outdoor-Laden nebenan). Die Jugendherberge ist zwei Meilen außerhalb der Stadt an der Straße nach Melvaig - wunderschöne Lage, nettes Haus, aber von innen hab ich's nicht gesehen.

Der "Spar" von damals ist jetzt ein "Mace", und für die, die in Richtung Norden unterwegs sind, sei angemerkt, daß die nächste vergleichbar gute Einkaufsgelegenheit in Ullapool ist. Das gleiche gilt für die Royal Bank of Scotland mit Geldautomat - nächste Chance Ullapool. Gairloch hat auch eine Tankstelle, und die nächste (in Poolewe) ist geschlossen.

Nachdem wir unser Gepäck dort abgeladen haben, kaufen wir im örtlichen Spar-Markt Zutaten für ein Abendessen ein und fahren dann noch auf der B8021 bis Melvaig hoch; eine sehr nette Spazierfahrt, man kommt an tollen Stränden und Küsten vorbei, und bei besserem Wetter wären wir bestimmt bis zum Leuchtturm gelaufen. Einschub von 2005: Gute Übernachtungsmöglichkeit im Leuchtturm von Rua Reidh (Google nach Rua Reidh Lighthouse), sowohl B&B als auch self-catering. So bleibt es bei der Spazierfahrt. Auf dem Rückweg stellen wir empirisch fest, daß die Landschaft noch viel beeindruckender ist, wenn man laute Musik dazu hört, und wir sind gegen 17:00 wieder daheim. Ich werde noch einmal schnell einkaufen geschickt (ich soll noch Pilze und Sahne besorgen und schnappe auch noch eine Packung Viennetta als Nachtisch), dann gibt es ein leckeres Abendessen (Reis und Pilz-Sahne-Soße. Villeicht sollte Ela mal in der Mensa Nachhilfe geben, dann würde ich da auch öfter hingehen.)


Zurück (9. Tag) / Weiter (11. Tag)


  Frederik Ramm, 2005-04-29