Dreizehnter Tag: Sonntag, 9.4.95

Logbucheintrag vom 9.4., 22:30, im Bett

Der heutige Tag war recht anstrengend. Es hat fast die ganze Zeit geregnet, und so verbrachten wir den größten Teil des Tages im Auto. Einiges muß ich mir, jetzt unsere Route niederschreibend, von Claudia erzählen lassen, da ich zuweilen unterwegs eingenickt bin.

Wir fuhren zunächst auf der A9 südlich bis Bonar Bridge (der Ort hat historische Bedeutung; mit dem ersten Brückenbau dort begann die "Erschließung" der Highlands) und nahmen den Umweg über Dornoch, der sich allerdings nicht lohnte. Die A9 ist wohl eine der meistbefahrenen Straßen Schottlands, teilweise sogar zwei Fahrstreifen in jede Richtung (nur nie dann, wenn die blöden Wohnwagen vor einem fahren). Das ewige Langsam- hinterherfahren mit Hoffnung auf eine Gerade ohne Gegenverkehr zum Überholen war nervenaufreibend, so daß wir öfter Fahrerwechsel gemacht haben.

Ohne nennenswerten Halt ging es an Inverness vorbei bis nach Aviemore, wo wir spaßeshalber nach Osten über Coylumbridge zum Skilift in den Cairngorm Mountains fuhren. Der, ein Sessellift, kostete dann aber 8.00 pro Nase, und dafür war es dann doch zu neblig.

Zurück also, und jetzt auf der B970 weiter (die zur A9 parallel läuft, aber nicht so befahren ist). In der Nähe von Kingussie liegt die Ruine der Ruthven Barracks, die nach den ersten Jakobitenaufständen errichtet wurden, um die Highlander im Auge zu behalten (später von Bonnie Prince Charlie abgefackelt). Ist durchaus sehenswert, wenn man dran vorbeikommt.

Logbucheintrag vom 10.4., 9:20, nach dem Frühstück

Danach fuhren wir weiter auf der A9, wieder teilweise mehrspurig, bis Calvine, wo man (zum Glück hatte der Regen gerade fast aufgehört) in einer halben Stunde bis zu den "Falls of Bruar" und wieder zurück laufen kann - ein Rundweg, der sich lohnt. Gleich um die Ecke vom Parkplatz ist auch das "House of Bruar"; gerade neu erbaut, finden sich dort neben einem kleinen Museum des Clan Donnachaidh ein Restaurant und ein Textil-und-schottische-Spezialitäten-zu- überhöhten-Preisen-Laden (am vorigen Wort erkennt man, ob der eigene HTML-Browser was taugt). Und seltene Pflanzen und Gartenzubehör gibts da auch, aber wen interessiert das schon.

Zwei Meilen weiter liegt das Blair Castle, eines der wenigen Schlösser, in denen in Schottland auch heute noch Hoheiten residieren, in diesem Fall der 10. Duke of Atholl (übrigens der einzige Brite, dem es erlaubt ist, sich eine Privatarmee zu halten). Man kann das Castle besichtigen; der "Blue Guide" (vgl. Literaturliste) sagt, daß die zahlreichen Räume ein bemerkenswertes Bild des schottischen Adelslebens vom 16. Jahrhundert bis heute zeichneten. Wir allerdings waren recht kaputt und wollten lieber irgendwo ein Bett finden - so geschehen in Pitlochry, einem relativ großen Ort (2500 Einwohner) mit einem Haufen von Textilgeschäften und noch mehr Hotels.

Wir sind dann nochmal zu Fuß in die Stadt gezogen, haben ein wenig gebummelt und dann, wieder mal die lokale Küche umgehend, im "Prince of India" diniert. Es war recht lecker; schwer im Magen lag mir bloß, daß der Ober mit meiner Kreditkarte so lange wegblieb und dann noch wissen wollte, ob sie aus Deutschland sei. Naja, mal sehen, was alles auf der Abrechnung steht, wenn ich wiederkomme.


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  Frederik Ramm, 2001-04-28