Dritter Tag: Donnerstag, 30.3.95

Logbuch-Eintrag 31.3., 10:20, im Auto

Die Dusche in der Jugendherberge war wenigstens ehrlich: Es gab nur einen Knopf für Wasser; so unterlag man nicht, wie sonst so oft, der Illusion, man könne hier eine Temperatur einstellen. Der Schlafsaal voll vom Muff feuchter Klamotten. Naja, Augen zu und am nächsten Morgen (einem verregneten Morgen, wie um die Feststellung aus dem Deutschunterricht zu belegen, das Wetter sei immer auch Ausdruck für die Gefühlslage der Charaktere) nichts wie weg. Später erfuhr ich, daß die beiden Damen einen kleinen Schlafraum und eine gute Dusche hatten...


Doch jetzt, da wir im Auto sitzen und zum Loch Muick unterwegs sind, muß ich mich beeilen, die Ereignisse des gestrigen Tages zu rekapitulieren. Nach unserem Aufbruch besuchten wir zuerst das Postamt und einen Supermarkt in Fort William und warteten dann auf die Öffnung des Tourist Office (10:00), um uns nach den Fährtarifen der Caledonian MacBrayne zu erkundigen, mit der wir evtl. auf die Insel Skye und von dort auf die äußeren Hebriden dampfen wollen. Leider arg teuer (die Hebriden), daher Entscheidung vertagt und auf der A86 ostwärts nach Kingussie gefahren. In dem Ort, dessen Name "Kinjussi" ausgesprochen wird, gibt es eine sehr gemütliche Teestube ("Retro", auf der Hauptstraße, rechte Seite), in der wir uns Tea und Apple Pie (Ela: Cappuccino und Pizza) gönnten.

Danach besuchten wir das Highland Folk Museum und bekamen eine eigene Führung durch Häuser, Gegenstände und Lebensgewohnheiten, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichten. Besonders interessant fand ich, daß die Highland-Bauern in ihren kleinen, meist vom Torffeuer verrauchten "Black Houses" (großes Bild hier) trotz des knappen Platzes eine Art Gästezimmer hatten, das im Normalbetrieb gar nicht genutzt wurde. Muß aber alles in allem ziemlich ätzend gewesen sein, damals. Die meisten Ausstellungsgegenstände waren übrigens von den Äußeren Hebriden importiert; dort haben sich die alten Sachen wohl am längsten gehalten.

Uns wurde erzählt, daß im Sommer alles viel toller sei im Museum, die Spinnräder und der Webstuhl würden live vorgeführt, und alle würden Kilts tragen... naja, dafür gibts dann auch keine Führung zu dritt (siehe auch meinen Artikel zur Reisezeit). Ich war's so ganz zufrieden, ist mir lieber als hübsche Verkleidung und fünffacher Andrang. (Das Bild zeigt uns vor einer alten Scheune; hier die große Version.) Ein Leser schrieb mir im August 2000: Sie haben die Gegend um Kingussie ja fluchtartig verlassen. Neben dem Highland Folk Museum bieten Kingussie und Umgebung noch einen wunderbaren Wildlife Park, der wirklich sehenswert ist, und was man sich nicht entgehen lassen sollte, ist eine Vorführung über die Arbeitsweise und Ausbildung der Border-Collies. Es lohnt sich, dafür 1-2 Stunden zu opfern. Erst recht wenn Sie am Ende der Vorführung von ca 10 Collie-"Puppies" überfallen werden.

Es gibt eine schöne dampfgetriebene Eisenbahn, die im Sommer regelmäßig von Aviemore nach Boat of Garten fährt; derzeit ist der Fahrplan aber etwas eingeschränkt und daher für uns ungünstig.

Wir fuhren auf der B970 weiter nach Nordosten, bis wir die Abzweigung nach rechts zum Loch an Eilein erreichten (Rothiemurchus Estates). Am Wasser gibt es einen Parkplatz und ein kleines Visitor Centre, und wir entschieden uns für den Rundweg um den See. Der dauerte knapp zwei Stunden und war äußerst angenehm zu laufen; auch der Reiseführer war voll des Lobes über die Strecke. Falls jemand es uns nachtun möchte: Die Trampelpfade am Ufer entlang scheinen kürzer, erweisen sich aber häufig als Sackgassen, wenn man nicht durchs Wasser tappen will - überzeugt Euch auf dem großen Bild.

Danach fuhren wir auf einer kleinen Single Track Road (bei Nethy Bridge) südlich an Grantown-on-Spey vorbei nach Tomintoul, wo wir vor zwei Jahren günstig und gut übernachtet hatten. Leider gab es das Haus nicht mehr, und so klingelten wir an ein paar anderen Türen, ohne Erfolg - vielleicht auch deshalb, weil wir heute etwas knauserig waren und uns in den Kopf gesetzt hatten, weniger als 13 auszugeben. Zum Glück, wie ich im Nachhinein sagen kann: Wir fuhren wir in Richtung Dufftown weiter. Unterwegs gab es noch zwei teure und eine nette, preiswerte, aber geschlossene Herberge (das "Roadside Cottage" vor Tamnavoulin an der B9008). Schließlich kamen wir nach Dufftown, und gleich das erste Haus, an dem wir fragten, sagte uns zu: für 12, sogar mit Waschbecken im Zimmer und eine wirklich freundliche Hausherrin.

Wir sind dann am Abend nochmal kurz weggegangen, ein bißchen einkaufen, zum Glück haben hier ja auch nach 18:30 noch die Läden offen.


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  Frederik Ramm, 2001-04-28