Siebter Tag: Montag, 3.4.95

immer noch Logbuch-Eintrag 3.4., 22:30, im Bett
Um den Unmengen von Frühstücksei zu entgehen, logen wir diesmal und sagten, unser Vegetariertum verböte uns auch das Verspeisen von Ei (daß wir dennoch Milch tranken, machte die Dame zum Glück nicht stutzig). Also gab es Kidneybohnen auf Toast - das nächste Mal nehmen wir wieder Ei!

Am Morgen kauften wir in Kyle of Lochalsh eine Medizin für Elas entzündete Zunge; die Apothekerin riet uns, zum Arzt zu gehen, wenn es nicht in ein paar Tagen besser würde (das wurde es aber zum Glück). Wir ließen uns für fünf Pfund zwanzig auf die Isle of Skye schippern. Zwei Fähren der Caledonian MacBrayne bedienen zugleich die Meerenge, so daß man alle fünf Minuten eine Fähre nehmen kann. Allerdings wird dies die letzte Fährsaison, denn die Brücke auf die Isle of Skye soll im Herbst fertiggestellt werden - man konnte bereits große Teile des Bauwerks sehen. Die Insulaner scheinen nicht so viel davon zu halten, zumindest standen für ein paar Pence Aufkleber mit der Aufschrift "Isle of Skye - no Toll Bridge!" zum Verkauf (die Brückenbenutzung soll sechs Pfund kosten).

Update Juni 1996: Die Brücke kostet ebenfalls 5.20, aber irgendwie war es damals mit der Fähre schöner. Es gibt noch zwei Fähren, die im Kartenauschnitt oben sichtbar sind. Die Überfahrt von Ardvarsar nach Mallaig auf dem Festland kostet knapp 20 Pfund, über die Kylerhea-Fähre schreibt mir im Dezember 1999 eine Leserin: Die Kylerhea Fähre kostet genausoviel wie die Brücke - 5,80 Pfund - und ist ein kleines Bootchen, das schwankend einige Autos schippern kann; aber ganz richtig, der Toll Bridge vorzuziehen. Der Weg an Ratagan (tolles Y.H.) vorbei zur Fähre ist übrigens landschaftlich sehr - wie sagt man so schön - reizvoll"

Später wurde uns noch des öfteren ein eher hoffnungs- als angstvolles "vielleicht sprengt ja ein Saboteur die Brücke in die Luft" kundgetan; offenbar war die Brücke eine Regierungsentscheidung, bei der die Leute vor Ort nicht viel zu sagen hatten.

Wir machen uns als erstes auf nach Süden, denn kurz vor dem zweiten Fährhafen der Insel, Armadale (oder Ardvarsar, das ist der zugehörige Ort) gibt es das Clan Donald Visitor Centre, das laut Werbebroschüre mindestens 12 Auszeichnungen diverser Touristenorganisationen gewonnen hat. Lustig, hier auf Skye stehen alle Ortsnamen doppelt auf den Schildern, zuerst in grün und Gälisch, dann schwarz und Englisch.

Ausflug in die Vergangenheit

Der Eintritt ins Visitor Centre kostet 2.20 für Studierende, und obwohl die prächtige Gartenanlage zu dieser Jahreszeit eher zu erahnen als zu sehen ist, lohnt sich der Besuch durchhaus. Eigentlich soll einem hier die Geschichte des Clans Donald vermittelt werden, aber in Wahrheit erfährt man zwei recht traurige Begebenheiten; einmal wird im "Study Centre" detailliert der erfolglose Versuch von Prince Charles Edward Stewart ("Bonnie Prince Charlie") nachgezeichnet, die britische Krone zurückzugewinnen - die MacDonalds waren dabei seine wichtigsten Verbündeten, so möchte man meinen, wenn man die Tafeln dort studiert. Überhaupt waren die MacDonalds wohl immer diejenigen, die die eigene schottische Kultur gegen den Einfluß der britischen Zentralregierung verteidigten, während andere Clans (z.B. die Campbells und die MacKenzies) eher "regierungstreu" waren.

Eine weitere bewegende Geschichte ist die vom "Lord of the Isles", dem Titel, den von 1386 an der Clan Donald bzw. dessen jeweiliger Chef innehatte. Der "Lord of the Isles" herrschte über alle westlichen Inseln mit Ausnahme von Skye, zeitweise auch über große Teile des küstennahen Festlands. Die Video-Vorführung, eigens für uns angeworfen, berichtet, daß das ehemals friedliche Inselreich in zahlreiche Querelen, zuweilen fast Bürgerkriege, verwickelt wurde, nachdem den MacDonalds gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Titel aberkannt worden war.

Danach fuhren wir weiter gen Süden, parkten unser Auto bei Aird of Sleat und wanderten von dort in rund 40 Minuten zum Point of Sleat, dem südlichsten Punkt der Insel Skye. Man hat eine tolle Aussicht von dort und kann auch nach Belieben Felsen kraxeln; den Weg sollte man aber nur einschlagen, wenn man nicht zu denen gehört, die jedesmal laut "Igitt!" schreien, wenn sie in Matsch treten. Oder man nimmt Gummistiefel ("Wellies") mit...
Das kleine Bild zeigt die zwei Stein-Haufen, bevor ich auf den Berg geklettert war (Vergrößerung hier), und dies ist mein Beitrag zur Landschaftsgestaltung gewesen:

Nach dieser Wanderung fuhren wir wieder nach Norden, auf der A851 bis Broadford, wo wir eine nette Unterkunft fanden. Bei Tee und Keksen ruhten wir uns ein wenig vor dem Kamin aus, sahen Nachrichten und gingen schließlich noch einmal für ein Stündchen im Ort spazieren (die Tankstelle hat rund um die Uhr geöffnet; schöne Mädchen! [auch dies eine von Claudia eingefügte Bemerkung - ob sie darauf anspielen möchte, daß ich mehr Augen für die Mädels hatte, die den Laden schmissen, als für das Warenangebot?]).

Unsere Unterkunft war übrigens das erste britische Haus, dessen Einrichtung mir ansatzweise stilvoll vorkam.


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  Frederik Ramm, 2001-04-28